Geschäftsbericht 2016

Forschung und Entwicklung

Forschung und Entwicklung als Erfolgsfaktor

Forschung und Entwicklung haben bei Daimler seit jeher einen zentralen Stellenwert. Vor mehr als 130 Jahren haben Gottlieb Daimler und Carl Benz das Automobil erfunden. Nun gestalten wir die Zukunft der Mobilität. Unsere Forschung antizipiert Trends, Kundenwünsche und Anforderungen an die Mobilität der Zukunft, die von der Entwicklung konsequent in serienreife Produkte umgesetzt werden. Es ist unser Ziel, unseren Kunden faszinierende Produkte und maßgeschneiderte Lösungen für eine bedarfsgerechte, sichere und nachhaltige Mobilität anzubieten. Darauf richten wir unser Technologieportfolio und unsere Kernkompetenzen aus.

Wesentliche Faktoren für den Markterfolg unserer Fahrzeuge sind das Know-how, die Kreativität und die Motivation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung. Zum Jahresende 2016 arbeiteten bei Daimler weltweit 24.200 (i. V. 23.300) Personen in Forschungs- und Entwicklungsbereichen. 16.300 (i. V. 15.500) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren im Ressort Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung tätig, 5.600 (i. V. 5.500) Beschäftigte sind dem Geschäftsfeld Daimler Trucks zuzurechnen, 1.200 (i. V. 1.100) dem Geschäftsfeld Mercedes-Benz Vans und 1.200 (i. V. 1.200) Daimler Buses. Rund 5.400 (i. V. 5.100) Forscher und Entwickler waren außerhalb Deutschlands beschäftigt.

Internationales Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk

Unser globales Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk umfasst 35 Standorte in 15 Ländern. Die größten Standorte sind Sindelfingen und Stuttgart-Untertürkheim in Deutschland. Im November 2016 haben wir in Sindelfingen das neue Technologiezentrum Fahrzeugsicherheit (TFS) eröffnet. Es bietet völlig neue Möglichkeiten bei Crashtests von Pkw und Lkw, bei der Auslegung von Assistenzsystemen und PRE SAFE® sowie bei der Absicherung von Fahrzeugkonzepten mit alternativen Antrieben.

Das Technologiezentrum Fahrzeugsicherheit

Ein hochmodernes Prüfungs- und Technologiezentrum wird in Immendingen errichtet und im Jahr 2018 fertiggestellt. Alternative Antriebe wie Hybride und Elektrofahrzeuge mit Batterie oder Brennstoffzelle und auch Verbrennungsmotoren werden dann in Immendingen weiterentwickelt und optimiert. Ein Großteil der Testfahrten, die bislang auf öffentlichen Straßen durchgeführt werden, kann dann auf dem neuen Prüfgelände stattfinden. Unsere wichtigsten Forschungseinrichtungen in Nordamerika sind unser zentraler Standort in Sunnyvale/Kalifornien sowie die Standorte Long Beach/Kalifornien, Portland/Oregon und Redford/Michigan. In Asien sind Bangalore, Indien, das Global Hybrid Center in Kawasaki, Japan, und unser Forschungs- und Entwicklungszentrum in Peking die bedeutendsten Standorte. Das Mercedes-Benz Research and Development Center India (MBRDI) mit Sitz in Bangalore ist das größte Forschungs- und Entwicklungszentrum von Daimler außerhalb Deutschlands. Die Schwerpunkte des MBRDI, das im Jahr 2016 sein 20-jähriges Bestehen feierte, liegen auf Digitalisierung, Simulation und Data Science. Zehn Jahre nach seiner Eröffnung ist Mercedes-Benz Research & Development China ein integraler Bestandteil des Forschungsnetzwerks des Daimler-Konzerns und spielt eine zentrale Rolle für das Verständnis der Erwartungen chinesischer Kunden und der lokalen Anforderungen. Dieses Fachwissen sichert uns unmittelbar einen langfristigen Wettbewerbsvorteil und die Fähigkeit, maßgeschneiderte Produkte für den lokalen Markt zu entwickeln. Bereits im Jahr 2013 wurde das Produktentwicklungszentrum des chinesischen Van-Joint-Ventures »Fujian Benz Automotive Corporation« in Fuzhou eröffnet. Das erste Produktentwicklungszentrum von Mercedes-Benz Vans außerhalb Deutschlands verfügt unter anderem über eine Konstruktions- und Berechnungsabteilung, ein Testgelände, Versuchslabore sowie Komponenten- und Gesamtfahrzeugprüfstände. Im Jahr 2016 hat ein neues Technologie-Center in Tel Aviv den Betrieb aufgenommen, das sich insbesondere mit Forschungsprojekten zur Digitalisierung befasst.

Zusätzlich zu unseren internen Aktivitäten pflegen wir intensive Kontakte zu externen Forschungseinrichtungen. So arbeiten wir weltweit mit verschiedenen renommierten Forschungsinstituten zusammen und beteiligen uns an internationalen Austauschprogrammen für Nachwuchswissenschaftler.

Zielgerichtete Einbindung der Zulieferindustrie

Um unsere anspruchsvollen Ziele zu erreichen, arbeiten wir auch intensiv mit den Forschungs- und Entwicklungsbereichen der Zulieferindustrie zusammen. Gerade mit Blick auf den rasanten technologischen Wandel in der Automobilindustrie und die Notwendigkeit, neue Technologien möglichst schnell zur Marktreife zu bringen, ist eine enge Verzahnung mit Lieferanten unabdingbar. Dies gilt auch im Hinblick auf die fortschreitendende Digitalisierung der Prozesse über alle Stufen der Wertschöpfungskette hinweg. Darüber hinaus sind für uns leistungsfähige Partner aus der Zulieferindustrie unverzichtbar, wenn es um die Entwicklung und Bereitstellung neuer Konzepte für die Mobilität der Zukunft geht. Im Rahmen der gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsarbeit stellen wir sicher, dass die Kernkompetenzen für Technologien, die für die Zukunft des Automobils insgesamt und die Einzigartigkeit unserer Marken wichtig sind, im Unternehmen bleiben.

Schutzrechte sichern die Technologie- und Innovations­führerschaft

Wir haben das Automobil erfunden – am 29. Januar 1886 meldete Carl Benz sein »Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb« zum Patent an. In den zurückliegenden 131 Jahren haben wir mit weit über 110.000 Patentanmeldungen das Automobil weiterentwickelt und Maßstäbe für den Weg zum emissionsfreien, unfallfreien und autonomen Fahren gesetzt. Auch im Jahr 2016 haben wir diese Tradition fortgesetzt und wie im Vorjahr insgesamt rund 2.000 neue Ideen zum Patent angemeldet. Sie sind für das Unternehmen vor allem aus zwei Gründen wichtig: Einerseits ermöglichen sie »Exklusivität« – mit dem Ziel einer exklusiven Positionierung ausgewählter Daimler-Features auf dem Markt und einer Differenzierung zum Wettbewerb. Andererseits sichern sie Daimler »Handlungsfreiheit« – mit dem Ziel, unsere Produkte weltweit herstellen und verkaufen zu können und nicht mit Rechten Dritter in Konflikt zu kommen. Über die technischen Schutzrechte hinaus, die unsere Innovationen für die Mobilität der Zukunft langfristig sichern, wird die Einzigartigkeit der Produkterscheinung mit rund 9.100 (i. V. 9.000) eingetragenen Designs abgesichert. Mit einem Portfolio von weltweit mehr als 32.800 (i. V. 31.300) Markenschutzrechten sichern wir darüber hinaus die berühmte und wertvolle Marke Mercedes-Benz, den Stern sowie alle übrigen Produktmarken in jedem relevanten Markt ab.

7,6 Mrd. € für Forschung und Entwicklung

Auch in den kommenden Jahren wollen wir die Mobilität mit richtungsweisenden Innovationen aktiv mitgestalten und damit einhergehend die Digitalisierung im gesamten Unternehmen vorantreiben. Insbesondere in den strategischen Zukunfsfeldern Vernetzung (Connected), autonomes Fahren (Autonomous), flexible Nutzung und Services (Shared & Services) und elektrische Antriebe (Electric) sowie in der intelligenten Verknüpfung dieser Bereiche will Daimler eine Vorreiterrolle einnehmen. Wie im Geschäftsbericht 2015 angekündigt, haben wir deshalb die Forschungs- und Entwicklungsleistungen im Jahr 2016 von dem bereits sehr hohen Niveau ausgehend nochmals um 15 % auf 7,6 Mrd. € erhöht. 2,3 (i. V. 1,8) Mrd. € davon wurden als Entwicklungskosten aktiviert; das entspricht einer Aktivierungsquote von 31 (i. V. 27) %. Die Abschreibungen auf aktivierte Forschungs- und Entwicklungsleistungen erreichten im Berichtsjahr 1,3 (i. V. 1,2) Mrd. €. Auch gemessen am Umsatz bewegten sich die Forschungs- und Entwicklungsleistungen mit einer Quote von 4,9 (i. V. 4,4) % auf einem hohen Niveau. Schwerpunkte waren neue Fahrzeugmodelle, besonders kraftstoffeffiziente und umweltschonende Antriebe sowie neue Sicherheitstechnologien, das autonome Fahren und die digitale Vernetzung unserer Produkte.

Bei Mercedes-Benz Cars standen die neuen Modelle der Kompaktklasse, die laufende Modellerneuerung bei den Geländewagen und den Coupés, die neue Elektromarke EQ sowie die neue Generation von Diesel- und Benzinmotoren im Vordergrund. Außerdem investieren wir in die Konnektivität unserer Fahrzeuge, das autonome Fahren sowie weitere innovative Sicherheitstechnologien. Insgesamt waren die Forschungs- und Entwicklungsleistungen bei Mercedes-Benz Cars mit 5,7 (i. V. 4,7) Mrd. € nochmals deutlich höher als im Vorjahr. Daimler Trucks hat wie im Vorjahr 1,3 Mrd. € in Forschungs- und Entwicklungsprojekte investiert. Die wichtigsten Projekte lagen hier in den Bereichen Emissionsstandards und Kraftstoffeffizenz sowie bei neuen Produkten und Nachfolgegenerationen für bestehende Produkte wie den neuen Freightliner Cascadia. Bei Mercedes-Benz Vans standen neben der laufenden Produkt­erneuerung die Aufwendungen für die Nachfolgegeneration des Sprinter und die Portfolioerweiterung in Form des Pickup X-Klasse im Vordergrund. Das Geschäftsfeld Daimler Buses hat seine Entwicklungsaktivitäten vor allem auf neue Produkte, die Erfüllung neuer Abgasnormen und auf alternative Antriebssysteme konzentriert. (Vgl. Abbildung B.38 und Tabelle B.39)

B.38 Forschungs- und Entwicklungsleistungen

B.39 Forschungs- und Entwicklungsleistungen nach Geschäftsfeldern

  2016 2015 16/15
in Millionen €     Veränd. in %
       
Daimler-Konzern 7.572 6.564 +15
davon aktiviert 2.315 1.804 +28
Mercedes-Benz Cars 5.671 4.711 +20
davon aktiviert 2.008 1.612 +25
Daimler Trucks 1.264 1.293 -2
davon aktiviert 57 26 +119
Mercedes-Benz Vans 442 384 +15
davon aktiviert 238 153 +56
Daimler Buses 202 184 +10
davon aktiviert 11 13 -15
Zurück
Innovation und Sicherheit
Nachhaltigkeit bei Daimler