Geschäftsbericht 2016

Innovation und Sicherheit

Innovationen für die Mobilität der Zukunft

Größtmöglicher Kundennutzen, höchste Sicherheitsstandards, hohe Umweltverträglichkeit und Effizienz – um diese Ziele zu verbinden, setzen wir auf innovative Konzepte und eine umweltgerechte Produktentwicklung. Das reicht von wegweisenden Fahrzeug- und Antriebstechnologien über intelligenten Leichtbau bis hin zu ausgefeilten Assistenzsystemen, die Unfälle vermeiden können.

CASE – diese Buchstaben stehen für die strategischen Zukunftsfelder Vernetzung (Connected), autonomes Fahren (Autonomous), flexible Nutzung und Services (Shared & Services) und elektrische Antriebe (Electric). Wir treiben diese Zukunftsfelder in allen Geschäftsfeldern konsequent voran und verknüpfen sie auf intelligente Art und Weise zu einem umfassenden Zielbild für unsere Fahrzeuge, Serviceangebote und Geschäftsmodelle. Damit untermauern wir den Anspruch, die Mobilität der Zukunft maßgeblich zu prägen. Die auf den folgenden Seiten dargestellten Projekte sind einzelne Beispiele aus einer Vielzahl von Aktivitäten. Sie zeigen, dass Daimler schon heute eine führende Rolle bei der Entwicklung von Lösungen für die Mobilität der Zukunft einnimmt.

Unser »Weg zum emissionsfreien Fahren«

Die zentralen Entwicklungsschwerpunkte für neue, besonders kraftstoffeffiziente und umweltschonende Antriebstechnologien in allen automobilen Geschäftsfeldern haben wir in unserer Initiative »Der Weg zum emissionsfreien Fahren« festgelegt:

  1. Unsere Fahrzeuge mit modernsten Verbrennungsmotoren entwickeln wir weiter mit dem Ziel, Verbrauch und Emissionen nochmals deutlich zu senken.
  2. Durch maßgeschneiderte Hybridisierung, also die Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor, erzielen wir weitere, spürbare Effizienzsteigerungen.
  3. Mit Elektrofahrzeugen mit Batterie oder Brennstoffzelle ermöglichen wir ein lokal emissionsfreies Fahren. (Vgl. Abbildung B.40)
B.40 Weg zur emissionsfreien Mobilitaet

Unseren Ansatz zum emissionsfreien Fahren verfolgen wir konsequent über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Dafür setzen wir an zahlreichen Stellhebeln an und heben Potenziale aus allen Entwicklungsbereichen, vom Leichtbau über die aerodynamische Optimierung und den Einsatz sauberer und effizienter Kraftstoffe bis hin zur Elektrifizierung und zur Umsetzung nachhaltiger Mobilitätskonzepte. Außerdem betrachten wir das Thema Emissionen übergreifend und haben auch die Reduzierung weiterer Emissionen wie zum Beispiel Lärm im Blick.

Gerade im Jahr 2016 haben wir auf dem Weg zum emissionsfreien Fahren beachtliche Fortschritte gemacht. Das gilt insbesondere auch für unsere Diesel- und Benzinmotoren. Wir gehen zwar davon aus, dass 15 bis 25 % unserer Pkw-Neufahrzeuge mittelfristig rein elektrisch sein werden. Dies bedeutet aber auch, dass der Verbrennungsmotor noch bis weit in die nächste Dekade hinein das Rückgrat der individuellen Mobilität bleiben wird. Nicht zuletzt deshalb investieren wir nach wie vor umfangreiche Mittel in die Optimierung dieser Antriebstechnologie und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Verbrauchs und der Emissionen. Gleichzeitig haben wir im Berichtsjahr in allen Geschäftsfeldern eine breit angelegte Offensive zur Elektromobilität gestartet. Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der neben dem reinen Fahrzeug ein umfassendes Angebot rund um die Elektromobilität enthält.

Hervorragende Effizienz- und Emissionswerte: die neuen Dieselmotoren

Die vorbildlichen Effizienz- und Emissionswerte unserer neuen Premiumdiesel erfüllen schon heute alle uns bekannten künftigen Emissionsvorschriften und unterstreichen die zentrale Rolle, die der Dieselantrieb beim Erreichen der anspruchsvollen Klimaziele spielt. Erreicht wurde dies durch einen integrierten Technologieansatz, zu dem unter anderem ein neues Stufenmulden-Brennverfahren und ein neu entwickeltes Abgasnachbehandlungskonzept gehören. Das neue Motorendesign erlaubt es, alle Komponenten für die Abgasnachbehandlung direkt am Motor zu positionieren statt wie bisher im Unterbodenbereich. Dadurch steigt die Gesamtleistungsfähigkeit des Systems deutlich an – weitestgehend unabhängig von Umgebungstemperaturen und Fahrstil. Der erste Vollaluminium-Vierzylinder-Dieselmotor von Mercedes-Benz wiegt in der 143-kW-Variante 168,4 kg und damit 35,4 kg (17 %) weniger als das Vorgängeraggregat mit 125 kW – ein neuer Bestwert in seiner Leistungsklasse. Vergleicht man statt des DIN-Gewichts den lauffähigen Motor mit allen Nebenaggregaten, beträgt die Gewichtseinsparung sogar 46 kg – ein klares Plus in Sachen Agilität und Kraftstoffverbrauch.

Sparsamer und stärker, leichter und kompakter - der neue OM 654

Seinen Marktstart hat der völlig neu entwickelte Vierzylinder-Dieselmotor OM 654 in der neuen E-Klasse. Der Mercedes-Benz E 220 d (Kraftstoffverbrauch in l/100 km innerorts 4,7–4,3/außerorts 4,1–3,6 / kombiniert 4,3-3,9; CO2-Emissionen in g/km kombiniert 112–102) verbraucht damit trotz eines Leistungszuwachses nochmals deutlich weniger als das Vorgängermodell. Die neue Dieselmotorenfamilie zeichnet sich aber nicht nur durch hervorragende Verbrauchswerte, sondern auch durch besonders niedrige Stickoxidemissionen aus. Dies haben auch unabhängige Messungen der Sachverständigen­organisation DEKRA bestätigt.

Größte Motorenoffensive in der Geschichte von Mercedes-Benz

Der neue Vierzylinder-Dieselmotor ist das erste Mitglied einer modular aufgebauten Motorenfamilie, die im gesamten Portfolio von Mercedes-Benz Cars und auch bei den Vans zum Einsatz kommen wird. Geplant sind mehrere Leistungsstufen sowie Längs- und Quereinbau in Fahrzeugen mit Front-, Heck- und Allradantrieb. So wird Mercedes-Benz seine gesamte Palette an Diesel-Pkw in Europa bis spätestens 2019 mit dieser neuesten Motorengeneration ausrüsten. Im kommenden Jahr debütieren gleich vier weitere Mitglieder der völlig neuen Motorenfamilie: ein Reihen-Sechszylinder als Diesel- und Ottomotor, ein neuer Vierzylinder-Ottomotor sowie ein neuer Biturbo-V8. Gleichzeitig haben richtungsweisende Technologien wie der Integrierte Starter-Generator (ISG), das 48-Volt-Bordnetz und der elektrische Zusatzverdichter (eZV) ihre Weltpremiere.

Umfassende Elektrooffensive bei Pkw und Nutzfahrzeugen

Daimler hat im Berichtsjahr in allen Geschäftsfeldern eine umfassende Offensive zur Elektromobilität gestartet. Dazu zählen die neuen Plug-In-Hybride von Mercedes-Benz Cars ebenso wie die neuen elektrischen smart Modelle, der DENZA 400, den wir gemeinsam mit unserem Partner BYD für den chinesischen Markt entwickelt haben sowie der neue FUSO eCanter und auch ein völlig neues Brennstoffzellenfahrzeug auf Basis des GLC mit Plug-In-Technologie. Teil dieser Offensive sind aber auch die Konzeptfahrzeuge Concept EQ, der schwere Verteiler-Lkw Mercedes-Benz Urban eTruck und der Mercedes-Benz Vision Van, mit denen wir einen schon sehr konkreten Ausblick auf die Elektromobilität der Zukunft geben. (Vgl. EQ)

Bei der Elektrifizierung des Antriebsstrangs verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der neben dem reinen Fahrzeug ein umfassendes Angebot rund um die Elektromobilität enthält. Dieses reicht von intelligenten Services über Energiespeicher für private und gewerbliche Kunden sowie Ladetechnologien wie das induktive Laden bis hin zum nachhaltigen Recycling. Für den wachsenden Bedarf an hochwertigen Hochvoltbatterien investiert Daimler insgesamt rund 1 Mrd. € in den Aufbau eines globalen Netzwerks für die Batterieproduktion.

Zehn Plug-In-Hybrid-Pkw bis zum Jahr 2017

Das große Plus der Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge ist die Kombination der Vorteile des Verbrennungsmotors mit denen des Elek­troantriebs. Sie hilft, den Gesamtverbrauch zu senken und die Performance zu steigern, da der Elektroantrieb den Verbrennungsmotor dort ersetzt oder unterstützt, wo dieser weniger günstig arbeitet. Zudem verfügen unsere Plug-In-Hybride über eine leistungsfähige Batterie, die es ermöglicht, eine Strecke von rund 30 km rein elektrisch zurückzulegen. Bereits bei der modellgepflegten S-Klasse mit Hybridantrieb, die im Frühjahr 2017 auf den Markt kommt, wird diese Reichweite rund 50 km betragen, und mittelfristig wollen wir bis zu 100 km erreichen. Damit können unsere Kunden im Alltagsverkehr sehr weitgehend lokal emissionsfrei unterwegs sein. Für längere Distanzen wird der Verbrennungsmotor genutzt und damit eine perfekte Langstreckentauglichkeit garantiert. Mit Blick auf die nächste Dekade wird der Plug-In-Hybrid aus unserer Sicht eine Erfolgstechnologie sein. Die Hybridisierung ist deshalb ein Schwerpunkt unserer Antriebsstrategie. Bis Ende 2017 werden wir insgesamt zehn Plug-In-Hybrid-Pkw präsentieren.

Im Jahr 2016 haben wir drei neue Plug-In-Hybride eingeführt. Dazu zählt der Mercedes-Benz E 350 e (Kraftstoffverbrauch in l/100 km kombiniert: 2,1; CO2-Emissionen in g/km kombiniert: 49; Stromverbrauch in kWh/100 km kombiniert: 11,5), ein Plug-In-Hybrid, der mit einer Systemleistung von 210 kW (286 PS) die Fahrleistung eines Sportwagens aufweist und dessen zertifizierter Verbrauch dem eines Kleinwagens entspricht.

EQ – die neue Marke für Elektromobilität

Mercedes-Benz hat seine Aktivitäten rund um die Elektromobilität in der neuen Produktmarke EQ gebündelt. Der Name EQ steht für »Electric Intelligence« und leitet sich von den Mercedes-Benz Markenwerten »Emotion und Intelligenz« ab. Die neue Marke umfasst alle wesentlichen Aspekte für kundenorientierte Elektromobilität und geht über das Fahrzeug an sich hinaus. EQ bietet ein umfassendes elektromobiles Ökosystem aus Produkten, Services, Technologien und Innovationen. Vorbote der neuen Marke ist die seriennahe Studie Concept EQ, die im Jahr 2016 auf der Automobilausstellung in Paris Weltpremiere feierte. (Vgl. EQ)

Noch in dieser Dekade startet das erste EQ Serienmodell im SUV-Segment. Es folgt eine Modelloffensive, die sukzessive das Portfolio von Mercedes-Benz Cars mit elektrifizierten Modellen ergänzen wird. Bis zum Jahr 2025 wird Daimler allein im Pkw-Segment mehr als zehn reine Elektrofahrzeuge im Angebot haben.

Mit dem Concept EQ demonstriert Mercedes Benz, dass attraktive und leistungsfähige Elektroautos schon bald das Straßenbild prägen können. Im Look eines sportlichen SUV-Coupés ist der Concept EQ der Vorreiter für eine völlig neue Fahrzeuggeneration mit batterieelektrischem Antrieb. Die neuen Elektrofahrzeuge werden auf einer eigens für batterieelektrische Modelle entwickelten Architektur basieren, die in jeder Hinsicht skalierbar und modellübergreifend einsetzbar ist. Sie eignet sich sowohl für alle Modellreihen als auch für die Derivate wie Geländewagen, Limousinen und Coupés.

Mercedes-Benz Vision Van: intelligent, vernetzt und elektrisch

Im September 2016 präsentierte das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Vans den vollelektrischen Vision Van. Diese zukunftsweisende Transporterstudie beinhaltet zahlreiche innovative Lösungen für die Zustellung von Paketen im urbanen und suburbanen Raum. Als erster Transporter weltweit vernetzt er komplett digital alle Beteiligten und Prozesse, vom Warenverteilzentrum bis zum Empfänger. Zudem verfügt er als erster Transporter überhaupt über einen vollautomatisierten Laderaum und integrierte Lieferdrohnen. Wird das Fahrzeug beispielsweise vom Paketzusteller in einem Wohngebiet angehalten, können parallel zur manuellen Zustellung künftig mehrere Pakete gleichzeitig autonom über die Luft bei den Empfängern im Umfeld zugestellt werden. Das vereinfacht das Geschäft für den Transporteur, verringert die Lieferzeit und bietet völlig neue Möglichkeiten für den Endkunden. Insgesamt können durch den Einsatz des Vision Van bei der Zustellung auf der letzten Meile Effizienzsteigerungen von bis zu 50 % erzielt werden. (Vgl. connected)

World premiere of the Mercedes-Benz Vision Van Research Vehicle

Die Zukunft des Lieferverkehrs in Innenstädten wird aus unserer Sicht weitgehend elektrisch sein, denn die Rahmenbedingungen für die Elektromobilität sowie die technologischen Möglichkeiten verbessern sich laufend. Deshalb startet Mercedes-Benz Vans nach dem weltweit ersten vollelektrischen, in Serie produzierten Transporter Vito E-CELL aus dem Jahr 2011 im Jahr 2018 erneut die Serienproduktion eines gewerblichen Transporters mit Elektroantrieb. Der vollelektrische Antriebsstrang wird eine Eigenentwicklung sein und speziell auf den Einsatzzweck und die spezifischen Leistungsanforderungen von Kunden zugeschnitten, die ihre Fahrzeuge für Lieferzwecke im urbanen Raum einsetzen. Den Kundenbedürfnissen entsprechend werden unterschiedliche Batterieladesysteme und gestufte Batteriegrößen angeboten werden. In bestimmten Anwendungsfällen wird dieser Elektroantrieb in puncto Betriebskosten mit dem Verbrennungsmotor vergleichbar sein.

Vollektrische Lkw: FUSO eCanter und Urban eTruck

Im leichten Verteilerverkehr beweist Daimler Trucks mit dem FUSO Canter E-Cell bereits seit 2014 in Kundentests eindrucksvoll die Alltagstauglichkeit eines vollelektrischen Lkw. Mit dem eCanter präsentierte FUSO auf der IAA Nutzfahrzeuge 2016 nun bereits die dritte Generation des weltweit ersten rein elektrisch angetriebenen leichten Lkw. Damit startet FUSO mit einer Kleinserie, die ab 2017 an Kunden in Europa, den USA und Japan ausgeliefert wird. Der FUSO eCanter ist die konsequente Weiterentwicklung des FUSO Canter E-Cell, die sich nicht nur optisch, sondern auch technisch vom Vorgängermodell unterscheidet.

Mit seinem lokal emissionsfreien Antrieb entlastet der eCanter nicht nur die Innenstädte von Abgas- und Geräuschemissionen, sondern er ist auch wirtschaftlich eine attraktive Alternative zum Dieselmotor. Aufgrund gesunkener Kosten für die Batterie und weitere Komponenten kann das Fahrzeug zu einem wettbewerbsfähigen Preis angeboten werden, der sich – bedingt durch niedrigere Betriebskosten im Vergleich zu einem vergleichbaren Dieselmodell – bereits in etwa drei Jahren für den Kunden amortisieren kann.

Im Juli 2016 präsentierte Daimler Trucks den Mercedes-Benz Urban eTruck, einen erstmals vollelektrischen Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 26 t. Damit können im städtischen Verteilerverkehr künftig auch schwere Lkw lokal emissionsfrei und nahezu geräuschlos fahren. Die Markteinführung dieser Technologie ist Anfang des nächsten Jahrzehnts vorstellbar. (Vgl. EQ)

Ausbau des Geschäfts mit stationären Energiespeichern

Bereits im Jahr 2015 ist Daimler in das Geschäft mit stationären Batteriespeichern eingestiegen und baut seitdem die Aktivitäten in diesem Wachstumsfeld stetig aus. Durch die Skalierbarkeit der von Daimler entwickelten Systeme können die Lithium-Ionen-Batterien sowohl in der Großindustrie als auch in Privathaushalten eingesetzt werden. Drei Großprojekte im Bereich der industriellen Speicherlösungen befinden sich bereits im Aufbau. Neben einem 13 MWh starken 2nd-Use-Speicher im westfälischen Lünen (vgl. Nachhaltigkeit und Integrität) zählt dazu ein Kooperationsprojekt mit enercity (Stadtwerke Hannover AG): Rund 3.000 der für die smart electric drive Fahrzeugflotte der dritten Generation vorgehaltenen Batteriemodule werden am enercity-Standort Herrenhausen zu einem Stationärspeicher gebündelt. Mit einer Kapazität von insgesamt 15 MWh ist die Anlage eine der größten Europas. Das innovative Speicherkonzept hat einen entscheidenden Vorteil: Um im Fall eines Tauschs einsatzfähig zu sein, verlangt eine Batterie während der Dauer der Bevorratung ein regelmäßiges Zyklisieren – das gezielte, schonende Be- und Entladen. Die klassische und potenziell langjährige Ersatzbatterielagerung erfordert deshalb nicht nur Lagerkosten, sondern auch einen erheblichen Betriebsaufwand. Diesen Aufwand umgehen die Partnerunternehmen durch ihren innovativen Ansatz. Mit der Fertigstellung der ersten Projekte werden insgesamt bereits rund 29 MWh am Netz sein und gemeinsam mit spezialisierten Partnern am deutschen Primärenergiemarkt vermarktet. Die Speicher dienen dabei dem Schwankungsausgleich im deutschen Stromnetz. Weitere Projekte sind in Planung.

Im April 2016 hat Daimler mit der Auslieferung stationärer Energiespeicher von Mercedes-Benz für den Einsatz in privaten Haushalten begonnen. Die Lithium-Ionen-Akkus werden bei der Daimler-Tochter Deutsche Accumotive produziert und über ausgewählte Vertriebs- und Kooperationspartner angeboten. Aktuell kooperiert das Unternehmen unter anderem mit verschiedenen Energieversorgern, Solarspezialisten sowie einigen Großhändlern. Deren Netz aus qualifizierten Fachinstallationsbetrieben übernimmt die Beratung der Endkunden vor Ort, die Planung, die individuelle Angebotserstellung für alle Komponenten und die Installation.

Weltpremiere des teilautomatisiert fahrenden Mercedes-Benz Future Bus

Als weltweit erster Hersteller konnte Daimler Buses im Berichtsjahr einen Stadtbus präsentieren, der im realen Verkehrsgeschehen teilautomatisiert fährt. Im Juli 2016 absolvierte der Mercedes-Benz Future Bus mit CityPilot seine erste automatisierte Fahrt im Stadtverkehr auf einer rund 20 km langen Strecke in Amsterdam. Der Bus fährt auf einem Teilstück der längsten Expressbus-Linie Europas (Bus Rapid Transit, BRT) bis zu 70 km/h, hält zentimetergenau an Haltestellen und Ampeln, fährt automatisch an, durchquert Tunnel, bremst für Hindernisse sowie Fußgänger auf der Fahrbahn und kommuniziert mit Signalanlagen. Der Fahrer ist an Bord und überwacht das System, wird dabei aber erheblich entlastet.

Der Future Bus erkennt, ob die Strecke für automatisiertes Fahren geeignet ist, und signalisiert dies dem Fahrer.

Der CityPilot wird vom Busfahrer per Tastendruck aktiviert. Voraussetzung: Der Fahrer nimmt dabei den Fuß von Gas- oder Brems­pedal und lenkt nicht, denn jede Fahreraktivität überlagert den CityPilot – der Fahrer bleibt stets Herr des Geschehens und kann die Kontrolle übernehmen.

Unser »Weg zum unfallfreien Fahren«

Fahrzeugsicherheit gehört zu unseren Kernkompetenzen und ist zentraler Bestandteil unserer Produktstrategie. Die Marke Mercedes-Benz hat über Jahrzehnte hinweg die Sicherheitsentwicklung nachhaltig geprägt. Viele Innovationen des Unternehmens besonders auf dem Gebiet des Insassen- und Partnerschutzes haben unzählige Menschenleben gerettet. Und auch heute setzt Daimler mit seinen Fahrzeugen Maßstäbe in der Sicherheit und beim autonomen Fahren. Unsere Vision vom unfallfreien Fahren treibt uns auch künftig an, Mobilität für alle Verkehrsteilnehmer so sicher wie möglich zu gestalten.

Teilautomatisiertes Fahren mit der neuen E-Klasse

Mit der neuen E-Klasse hat Mercedes-Benz einen weiteren Schritt auf dem Weg zum unfallfreien und autonomen Fahren vollzogen. Sie ist das erste Serienfahrzeug weltweit, das nur durch Softwaremodifikationen bei sonst identischer Serienhardware eine Testlizenz für autonomes Fahren im US-Bundesstaat Nevada erhalten hat.

Umfangreiche Assistenzsysteme wie der Aktive Brems-Assistent, ATTENTION ASSIST oder der Seitenwind-Assistent sind bei der neuen E-Klasse bereits im Serienumfang enthalten. Auf Wunsch bietet die E-Klasse ein zusätzliches Fahrassistenzpaket an. Zu den wesentlichen Funktionen gehören teilautomatisiertes Fahren auf Autobahnen, Landstraßen und sogar in der Stadt sowie Unterstützung beim Spurwechsel auf mehrspurigen Straßen, zum Beispiel beim Überholen. Außerdem kann es in immer mehr Situationen bei Bedarf automatisiert bremsen und bei Ausweichmanövern aktiv unterstützen. Der aktive Abstands­assistent DISTRONIC kann automatisch den korrekten Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen halten, indem er die eigene, höhere Wunschgeschwindigkeit auf ein langsamer vorausfahrendes Fahrzeug einregelt und bei freier Straße wieder auf die eingestellte Geschwindigkeit beschleunigt. Mit seiner Teilfunktion Lenk-Pilot kann er die E-Klasse auch bis zu Geschwindigkeiten von 210 km/h in der Spur halten. Dadurch kann der Fahrer entlastet werden, denn er muss im normalen Fahrbetrieb nicht durch Bremsen oder Beschleunigen eingreifen und wird beim Lenken deutlich unterstützt – auch in Kurven.

Zu den beeindruckenden Innovationen in der neuen E-Klasse zählt ein Aktiver Spurwechsel-Assistent. Er unterstützt den Fahrer beim Spurwechsel, zum Beispiel beim Überholen auf mehrspurigen Straßen. Sobald der Fahrer den Blinker für mindestens zwei Sekunden setzt, um die Fahrspur zu wechseln, unterstützt der Aktive Spurwechsel-Assistent beim Lenken des Fahrzeugs auf die gewünschte Nachbarspur, wenn diese als frei erkannt wird. Der Fahrer überwacht lediglich den Spurwechsel. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich auf der rechten Spur einordnen oder zum Überholen nach links wechseln möchte.

Car-to-X Kommunikation geht in Serie

Als weltweit erster Hersteller hat Mercedes-Benz im Berichtsjahr die Car-to-X Technologie in Serienfahrzeugen integriert und damit seine Rolle als Sicherheitspionier unterstrichen. Eine Unfallstelle hinter der nächsten Kurve? Ein plötzlicher Stau an einer Tagesbaustelle? Diese Situationen verlieren ihren Schrecken, wenn der herannahende Autofahrer aktuell, rechtzeitig und punktgenau gewarnt wird. Die Car-to-X Kommunikation erweitert die bisherige Reichweite der Fahrzeugsensorik, wie beispielsweise Radar- oder Kamerasysteme, deutlich. Sie ermöglicht, im Fahrzeug automatisch detektierte oder manuell vom Fahrer gemeldete Gefahrensituationen an andere Fahrzeuge zu übermitteln, und erlaubt damit gewissermaßen einen Blick um die Ecke oder durch Hindernisse hindurch. Dadurch können Informationen über potenzielle Gefahren im Straßenverkehr frühzeitig an andere Fahrer weitergegeben werden, sodass sich diese darauf einstellen können und kritische Situationen gar nicht erst entstehen. Mercedes-Benz nutzt für die Car-to-X Kommunikation die im Fahrzeug integrierte Kommunikationseinheit. Die Daten werden im Daimler Vehicle Backend aggregiert, plausibilisiert und an andere entsprechend ausgestattete Fahrzeuge im relevanten Umfeld weitergeleitet. Das System ist dafür ausgelegt, auch Informationen Dritter zu nutzen. Car-to-X Kommunikation arbeitet im Hintergrund und lenkt den Fahrer nicht vom Verkehrsgeschehen ab, sondern informiert ihn aktuell und punktgenau in sicherheitsrelevanten Situationen. Damit integriert sich die Car-to-X Technologie nahtlos in die »Mercedes-Benz Intelligent Drive«-Strategie.

Car-to-X Kommunikation

Mehr Sicherheit und weniger Kraftstoffverbrauch im Verbund

Als erster Hersteller weltweit hat Daimler Trucks im Mai 2015 eine Straßenzulassung für autonom fahrende Lkw erhalten.

Unsere intelligenten Trucks haben das Potenzial, den Transport von Waren in den kommenden Jahren noch effizienter, nachhaltiger und sicherer zu machen. Der Schlüssel dazu ist die Vernetzung des Lkws mit anderen Lkw und Logistikbeteiligten. Mit der Teilnahme an der European Truck Platooning Challenge 2016 hat Daimler Trucks rund zwei Wochen nach der Weltpremiere seines Systems Highway Pilot Connect auf der A52 bei Düsseldorf im April 2016 erneut seine Technologieführerschaft auf dem Feld des vernetzten Fahrens demonstriert. Drei miteinander vernetzte und automatisiert fahrende Mercedes-Benz Actros Lkw fuhren im Verbund grenzüberschreitend von Stuttgart nach Rotterdam. Die Vehicle-to-Vehicle-Vernetzung (V2V) ermöglicht das elektronische Ankoppeln von Lkw auf Autobahnen und Fernstraßen, das sogenannte Platooning. Im Platoon vernetzte Lkw benötigen nur 15 statt 50 Meter Abstand. Dadurch verringert sich der Luftwiderstand erheblich, und die Fahrt im Truck-Platoon mit drei Lkw reduziert den Kraftstoffverbrauch und den CO2-Ausstoß gleichermaßen um bis zu 7 %. Parallel dazu ermöglicht das Platooning eine deutlich effizientere Nutzung der Straße: Durch den geringeren Abstand der Fahrzeuge verkürzt sich ein Verbund aus drei gekoppelten Lkw auf nur noch 80 Meter. Im Gegensatz dazu benötigen drei nicht elektronisch miteinander gekoppelte Lkw 150 Meter Fahrbahnfläche. Gleichzeitig macht Platooning den Straßenverkehr deutlich sicherer: Während der Mensch am Steuer im Falle einer Notbremsung eine Reaktionszeit von etwa 1,4 Sekunden hat, gibt der Highway Pilot Connect die Bremssignale in weniger als 0,1 Sekunden an die Folgefahrzeuge weiter. Diese deutlich verkürzte Reaktionszeit kann maßgeblich dazu beitragen, Auffahrunfälle wie beispielsweise an Stauenden auf Autobahnen deutlich zu verringern. Bei allen technischen Möglichkeiten des vernetzten Fahrens bleibt aber stets der Fahrer verantwortlich für die Überwachung aller Assistenzsysteme.

Erstmals im Lkw: Abbiege-Assistent und Notbrems-Assistent mit Personenerkennung

Bisher konnten Assistenzsysteme im Lkw primär zur Vermeidung von schweren Unfällen auf Autobahnen und im Fernverkehr beitragen, und das trotz steigender Verkehrsleistung. Mit dem Abbiege-Assistenten und dem System Active Brake Assist (ABA) 4 überträgt Mercedes-Benz Lkw die modernste Sicherheitstechnik nun auch in den Stadtverkehr und schützt vor allem die schwächsten Verkehrsteilnehmer – Fußgänger und Radfahrer. Der Abbiege-Assistent ist das erste lieferbare Assistenzsystem der Branche, das den Lkw-Fahrer bei Abbiegesituationen auf Fußgänger und Radfahrer aufmerksam macht und damit die Sicherheit im Stadtverkehr deutlich erhöhen kann. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht davon aus, dass mit einem Abbiege-Assistenten künftig rund die Hälfte aller Unfälle zwischen Lkw und Fußgängern beziehungsweise Radfahrern vermieden werden können. Der ABA 4 ist das erste Notbremssystem im Lkw, das ein Risiko von Unfällen mit Fußgängern in der Stadt deutlich reduzieren kann. Während der ABA 3 bereits auf stehende und bewegte Hindernisse wie zum Beispiel langsam vorausfahrende Fahrzeuge oder ein Stauende vollautomatisch bremst, kann der neue ABA 4 im Stadtverkehr jetzt auch Fußgänger erkennen, die zwischen parkenden Fahrzeugen auf die Fahrbahn treten. Das Fahrzeug leitet in diesem Fall selbstständig eine Teilbremsung ein.

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