Geschäftsbericht 2016

Unternehmensspezifische Risiken und Chancen

Im folgenden Abschnitt wird auf die unternehmensspezifischen Risiken und Chancen des Daimler-Konzerns eingegangen. Eine Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ist in Tabelle B.60 dargestellt.

B.60 Unternehmensspezifische Risiken/Chancen

Risikokategorie Eintrittswahr­scheinlichkeit Ausmaß Chancenkategorie Ausmaß
         
Produktions- und Technologierisiken niedrig hoch Produktions- und Technologiechancen
Informationstechnische Risiken niedrig mittel Informationstechnische Chancen
Personalrisiken niedrig mittel Personalchancen
Risiken aus Beteiligungen/Kooperationen niedrig niedrig Chancen aus Beteiligungen/Kooperationen niedrig

Produktions- und Technologierisiken und -chancen

Wesentliche Erfolgsfaktoren bei der Durchsetzung des gewünschten Preisniveaus für die Produkte des Daimler-Konzerns und folglich für die Erreichung der Unternehmensziele sind das Markenimage, das Design, die Qualität und damit die Kundenakzeptanz der erzeugten Produkte sowie technische Merkmale auf der Basis innovativer Forschung und Entwicklung. Überzeugende Lösungen, die zum Beispiel ein unfallfreies Fahren unterstützen oder das Verbrauchs- und Emissionsverhalten der Produkte weiter verbessern, wie Diesel-Hybrid- und Elektrofahrzeuge, sind für eine sichere und nachhaltige Mobilität von zentraler Bedeutung. Innovationen und Technologiechancen zur fortschrittlichen und zukunftsfähigen Gestaltung der Produktpalette fließen in die strategische Produktplanung der automobilen Geschäftsfelder ein. Aufgrund der steigenden technischen Komplexität, des kontinuierlich wachsenden Umfangs an zu erfüllenden Emissions-, Verbrauchs- und Sicherheitsanforderungen und des Anspruchs, die Qualitätsstandards des Daimler-Konzerns einzuhalten und stetig zu erhöhen, unterliegt die Einführung und Erstellung der Produkte in den automobilen Geschäftsfeldern jedoch auch Produktions- und Technologierisiken.

Im Rahmen von Produkteinführungen müssen die benötigten Bauteile und Ausstattungsumfänge verfügbar sein. Zur Vermeidung diesbezüglicher Restriktionen werden zugehörige Prozesse stetig evaluiert und verbessert. Um die langfristige Zukunftsfähigkeit der Produktionsanlagen zu sichern und auszubauen, erfolgen bei Bedarf Modernisierungen, Ausbau-, Aufbau- und Umstrukturierungsaktivitäten. Mit der Durchführung der Modernisierungsmaßnahmen und Neueinführung von Produkten sind in der Regel hohe Investitionen verbunden. Es kann dabei zum Beispiel aufgrund von Vorgaben oder Verzögerungen in den Anlaufphasen einer Neuerung oder im Produktlebenszyklus zu einer kurzfristigen Verringerung des Produktionsniveaus kommen. Zur Erreichung des sehr hohen Qualitätsniveaus, eines der wesentlichen Entscheidungsmerkmale der Kunden für die Produkte des Daimler-Konzerns, ist es notwendig, dass Investitionen in neue Produkte und Technologien fließen, die teilweise über den eigentlich geplanten Umfang hinausgehen. Diese Kostenabweichung würde sich dann entsprechend auf das Ergebnis bei der Einführung einer neuen Baureihe oder Produktgeneration auswirken. Betroffen sind automobile Geschäftsfelder, die aktuell ein Produkt neu einführen beziehungsweise eine Produkteinführung oder einen entsprechenden Produktionsaufbau geplant haben. Zu berücksichtigen sind hierbei auch Abhängigkeiten zwischen Vertragspartnern sowie mögliche Veränderungen regionaler Rahmenbedingungen, die in die lokalen Entscheidungsprozesse einbezogen werden müssen.

Prinzipiell besteht die Gefahr, dass aufgrund von Infrastrukturproblemen oder Ausfällen bei Produktions- oder Fabrikanlagen intern Engpässe entstehen und folglich Kosten anfallen. Bei parallelem Ausfall mehrerer Anlagen könnten sich entsprechende Effekte summieren. Diese Risiken bestehen vorrangig für das Segment Mercedes-Benz Cars. Die Produktionsanlagen werden fortwährend gewartet und modernisiert. Für potenziell betroffene Anlagen werden präventiv Ersatzteile vorgehalten oder bei Bedarf alternative Produktionsstrukturen aufgebaut.

Die fehlende Verfügbarkeit von Fahrzeugkomponenten zum richtigen Zeitpunkt, Unterbrechungen in der Zulieferkette sowie mögliche Ausfälle in der Versorgung durch Energieanbieter können Engpässe hervorrufen. Zur Vermeidung solcher Engpasssituationen wird Wert darauf gelegt, dass Kapazitätsengpasse durch vorausschauende Planung ausgeglichen werden können. Zudem werden im Rahmen des Managements der gesamten Wertschöpfungskette Zulieferwege sowie die Lieferbarkeit und Qualität von Produkten kontinuierlich überwacht. Zur Risikoprävention besteht in allen Segmenten ein Lieferantenmanagement. Bezogen auf die Energieversorgung werden notwendige Schutzvorkehrungen getroffen und alternative Zulieferwege aufgebaut.

Garantie- und Kulanzfälle könnten im Daimler-Konzern entstehen, wenn die Qualität der Produkte nicht den Anforderungen entspricht, Vorschriften nicht vollständig eingehalten werden oder die Unterstützung bei Problemen und der Pflege der Produkte nicht in der benötigten Form erfüllt werden kann. Entsprechende Ansprüche werden geprüft und bei Bedarf notwendige Maßnahmen bezogen auf betroffene Produkte durchgeführt. Dies kann die Profitabilität der Produkte reduzieren sowie Folgekosten erzeugen. Der Daimler-Konzern arbeitet stetig und intensiv daran, die Produktgüte bei gleichzeitig wachsender Produktkomplexität auf einem sehr hohen Niveau zu halten, um die Gefahr von korrigierenden Maßnahmen am Endprodukt zu vermeiden und damit dem Kunden das bestmögliche Produkt zu liefern. Zudem sind im Daimler-Konzern Prozesse implementiert, die fortwährend die Kundenmeinung über getätigte Unterstützungsleistungen einholen, um das Serviceangebot und die Kundenzufriedenheit kontinuierlich zu verbessern. Auch Qualitätsprobleme bei in Fahrzeugen verbauten Zulieferteilen können in der Folge zu Produktions- und Technologierisiken für den Daimler-Konzern führen. Hierzu gehören auch Risiken im Zusammenhang mit industrieweiten Problemen bei Takata-Airbags.

Die Produktions- und Technologierisiken werden bezogen auf das Ausmaß gegenüber dem Vorjahr weiterhin als »hoch« eingestuft. Aufgrund der industrieweiten Probleme mit Takata-Airbags haben sich die Risiken jedoch signifikant erhöht.

Informationstechnische Risiken und Chancen

Die bei Daimler konsequent verfolgte Digitalisierungsstrategie bietet neue Möglichkeiten für die Steigerung des Kundennutzens und des Unternehmenswerts. Damit verbunden sind auch Risiken, die sich aus der zunehmenden Abhängigkeit der Produkte und Geschäftsprozesse von der IT ergeben. Hinzu kommen spezifische Risiken aufgrund der Verwendung und Verfügbarkeit neuer Technologien im Rahmen der Digitalisierung, die beispielsweise die Produkte, deren Nutzung oder das operative Geschäft beeinträchtigen können.

Für ein globales Unternehmen wie Daimler ist es von zentraler Bedeutung, dass Informationen aktuell, vollständig und korrekt vorgehalten und ausgetauscht werden. Hierfür müssen dem Schutzbedarf der Informationen entsprechend gesicherte IT-Systeme und eine zuverlässige IT-Infrastruktur betrieben werden. Risiken, die im Schadensfall eine Unterbrechung der Geschäftsprozesse aufgrund von IT-System-Ausfällen zur Folge haben oder den Verlust und die Verfälschung von Daten verursachen könnten, werden deshalb über den gesamten Lebenszyklus der Applikationen und IT-Systeme hinweg identifiziert und bewertet.

Um wachsende Anforderungen an Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten zu erfüllen, damit verbundene Risiken zu vermeiden sowie mögliche Schäden zu begrenzen, hat Daimler vielfältige präventive und korrektive Maßnahmen definiert. Diese Maßnahmen werden laufend an die sich verändernden Umstände angepasst. Zum Beispiel minimiert der Konzern potenzielle Störungen der betrieblichen Abläufe in Rechenzentren durch Maßnahmen wie gespiegelte Datenbestände, dezentrale Datenhaltung, ausgelagerte Datensicherung und hochverfügbar ausgelegte IT-Systeme. Zur Sicherstellung der Handlungsfähigkeit werden Notfallpläne erstellt, Mitarbeiter geschult und weitere technische und organisatorische Vorkehrungen getroffen. In einem zentralen Cyber Security Center werden spezifische Bedrohungen analysiert und Gegenmaßnahmen koordiniert. Der Schutz unserer Produkte und Dienstleistungen vor Gefährdungen durch Hacker-Angriffe und Cyber-Kriminalität wird entsprechend der Gefährdungslage ausgebaut.

Trotz aller Vorkehrungen können Störungen in der Informationsverarbeitung und dadurch negative Auswirkungen auf die Geschäftsprozesse nicht vollständig ausgeschlossen werden. Ausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit der IT-Risiken sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

Personalrisiken und -chancen

Der Erfolg des Daimler-Konzerns ist wesentlich von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und deren Know-how abhängig. Täglich bringen sie sich mit ihren Vorstellungen und Ideen in die jeweiligen Tätigkeiten und Arbeitsprozesse ein und tragen damit wesentlich zu Verbesserungen und Innovationen bei.

Zur Unterstützung dieser Prozesse hat der Daimler-Konzern ein Ideenmanagement etabliert, über das Verbesserungsvorschläge und Ideen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingebracht werden können. Die zielgerichtete Verarbeitung der eingehenden Informationen in das betriebliche Vorschlagswesen und die Übernahme geeigneter Ideen in einen Bewertungsprozess durch Gutachter und Prozesseigner wird durch ein etabliertes IT-System unterstützt. Hierdurch soll eine systematische und dauerhafte Förderung von Ideen und Verbesserungsvorschlägen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgen.

Zudem schaffen Arbeitsgruppen Prozesse und Instrumente, die neue Geschäftsideen erzeugen und die bereichsübergreifende Zusammenarbeit etablieren. Im Themenfeld Business Innovation besteht in diesem Zusammenhang eine Online-Community, in der Vorschläge zur Diskussion gebracht werden, die alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewerten und weiterentwickeln können.

Der Wettbewerb um hoch qualifizierte Mitarbeiter und Führungskräfte ist in der Branche und in den Regionen, in denen Daimler tätig ist, nach wie vor sehr stark. Der künftige Erfolg hängt auch davon ab, inwiefern es gelingt, Fachpersonal einzustellen, zu integrieren und dauerhaft an das Unternehmen zu binden. Die etablierten Personalinstrumente berücksichtigen solche bestehenden Personalrisiken, tragen zu einer gezielten Nachwuchs- und Know-how-Sicherung bei und stellen gleichzeitig die Transparenz über die Ressourcen sicher. Ein Schwerpunkt des Personalmanagements liegt in der zielgerichteten Personalentwicklung und Weiterbildung der Belegschaft des Unternehmens. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren dabei unter anderem von den Angeboten der Daimler Corporate Academy und der Transparenz, die durch ein weltweit einheitliches Performance- und Potenzialmanagementsystem geschaffen wird. In einem konzernweiten Projekt werden aktuell die Führungskultur und -prinzipien weiterentwickelt.

Die demografische Entwicklung zwingt das Unternehmen, mit den Veränderungen durch eine älter werdende Belegschaft umzugehen und einen qualifizierten Fach- und Führungskräftenachwuchs zu sichern. Dies wird durch Maßnahmen im Generationenmanagement adressiert. Bei Eintritt des Risikos ist abhängig von der Tragweite der Personalengpässe mit einer Einflussnahme auf die unternehmerische Tätigkeit und folglich auch auf das Ergebnis des Daimler-Konzerns zu rechnen. Risiken im Kontext von Verhandlungen über tarifliche Rahmenbedingungen bestehen aktuell nur in begrenztem Umfang.

Eine segmentierte Beurteilung des Personalrisikos wird nicht vorgenommen, da sich die beschriebenen Risiken nicht fokussiert auf ein bestimmtes Geschäftssegment beziehen, sondern jeweils regional eine segmentübergreifende Gültigkeit haben. Die Personalrisiken reduzieren sich insgesamt im Vergleich zum Vorjahr sowohl in Bezug auf Ausmaß als auch auf Eintrittswahrscheinlichkeit.

Risiken und Chancen aus Beteiligungen und Kooperationen

Die Zusammenarbeit mit Partnern in Beteiligungen (assoziierten Unternehmen, Gemeinschaftsunternehmen und gemeinschaftlichen Tätigkeiten) und Kooperationen ist für Daimler von zentraler Bedeutung. Neben einem besseren Zugang zu Wachstumsmärkten und neuen Technologien dienen Beteiligungen und Kooperationen der Nutzung von Synergieeffekten und der Verbesserung von Kostenstrukturen, um der Wettbewerbssituation in der Automobilindustrie erfolgreich zu begegnen. Über Investitionen in Start-ups fördert Daimler innovative Ansätze in vielen Bereichen des Konzerns.

An den Risiken und Chancen aus Beteiligungen partizipiert der Daimler-Konzern grundsätzlich entsprechend seiner jeweiligen Anteilsquote. Mögliche Risiken aus negativen wirtschaftlichen Entwicklungen oder Risiken aus einem zeitlich verzögerten Aufbau von Entwicklungs- und Produktionsstrukturen, die Ziele betroffener Segmente beeinträchtigen könnten, werden in den jeweils zugehörigen Kategorien betrachtet.

Darüber hinaus könnten sich aus der Neubewertung einer Beteiligung Risiken und Chancen bezogen auf den Beteiligungsbuchwert für das Segment, dem die Beteiligung zugerechnet wird, ergeben. Aus der Geschäftstätigkeit, einem Verkauf oder Kauf einer Beteiligung könnten zudem finanzielle Verpflichtungen oder ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf, aber auch höhere Erträge oder Liquiditätszuflüsse entstehen, die die geplanten Zielsetzungen übertreffen. Entsprechende Risiken sind auch generell mit Investitionen in Start-ups verbunden, deren weitere Entwicklung noch nicht vollständig absehbar ist. Risiken aus Beteiligungen bestehen bei den Segmenten Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks, Mercedes-Benz Vans und Daimler Financial Services sowie bei direkt dem Konzern zugerechneten Beteiligungen.

Alle Beteiligungen unterliegen einem kontinuierlichen Überwachungsprozess, um sie bei Bedarf zeitnah zu unterstützen und deren Profitabilität sicherzustellen. Auch die Werthaltigkeit der Investitionen wird laufend überwacht. Aufgrund der Wertentwicklung unseres börsennotierten Portfolios sind die Eintrittswahrscheinlichkeit und das Ausmaß der Risiken in dieser Kategorie im Vergleich zum Vorjahr von »mittel« auf »niedrig« gesunken.

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Finanz­wirtschaftliche Risiken und Chancen
Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen