Geschäftsbericht 2016

Automobilmärkte

Trotz der relativ schwachen Weltwirtschaft hat sich die globale Pkw-Nachfrage im Jahr 2016 weiterhin günstig entwickelt. Ausgehend vom Rekordniveau des Vorjahres legten die weltweiten Pkw-Verkäufe um gut 5 % zu. Dieser Wert war allerdings ganz entscheidend vom kräftigen Marktwachstum in China beeinflusst. Abgesehen von China war das weltweite Nachfragebild eher gemischt. Der europäische Markt verbuchte einen deutlichen Zuwachs, während der US-amerikanische Markt nur noch minimal zulegen konnte. Die Marktentwicklung der großen Schwellenländer war weiterhin uneinheitlich. (Vgl. Abbildung B.06)

B.06 Automobilmärkte weltweit

Den mit Abstand größten Beitrag zum weltweiten Marktwachstum steuerte einmal mehr der chinesische Markt bei. Neben einer im Jahresverlauf schrittweise zunehmenden gesamtwirtschaftlichen Dynamik waren auch staatliche Steuervergünstigungen auf den Kauf von Pkw mit kleinen Motorisierungen für das deutliche Nachfrageplus von rund 18 % verantwortlich. Besonders in den letzten Monaten des Jahres kam es aufgrund der zum Jahresende geplanten Verringerung der Kaufanreize zu einem starken Anstieg der Verkaufszahlen.

Die Pkw-Nachfrage in Westeuropa entwickelte sich weiterhin erfreulich. Trotz zunehmender politischer Unsicherheit setzte sich die Erholung mit einem Anstieg von rund 6 % fort. Marktzuwächse waren dabei auf breiter Basis zu beobachten. Die Nachfrage in den Kernmärkten Deutschland und Frankreich entwickelte sich mit Zuwächsen von 4,5 % und rund 5 % weiterhin sehr robust. Der britische Markt zeigte sich vom Brexit-Votum bislang unbeeindruckt und erreichte mit einem Anstieg von rund gut 2 % ein neues Rekordvolumen von etwa 2,7 Mio. verkauften Einheiten. Den höchsten Anstieg aller westeuropäischen Volumenmärkte konnte mit rund 16 % Italien verbuchen, wenn auch von einem relativ niedrigen Niveau ausgehend. Weiterhin schwierig war hingegen die Verfassung des russischen Pkw-Markts, der nochmals deutlich zurückging.

Der US-amerikanische Markt für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge übertraf das Vorjahresniveau knapp und konnte mit rund 17,5 Mio. Einheiten nochmals ein neues Rekordniveau erzielen. Dabei entwickelten sich die SUV- und Pickup-Segmente deutlich besser als die Nachfrage nach klassischen Limousinen. Der japanische Pkw-Markt verzeichnete mit einem Minus von rund 1,5 % eine moderate Korrektur. Der indische Markt legte erneut deutlich zu. Die Pkw-Nachfrage in Brasilien war dagegen nochmals durch einen zweistelligen Rückgang gekennzeichnet.

Die weltweite Nachfrage nach mittelschweren und schweren Lkw war durch die eher schwache Weltkonjunktur wesentlich stärker geprägt als das Pkw-Segment. In den für uns relevanten Absatzmärkten bewegte sich die Nachfrage insgesamt deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Der nordamerikanische Markt litt unter der schwächeren gesamtwirtschaftlichen Investitionstätigkeit: In den Gewichtsklassen 6-8 verringerte sich das Marktvolumen um 12 %. Dabei war der Rückgang im margenträchtigeren, schweren Segment (Klasse 8) mit einem Minus von nahezu 20 % besonders ausgeprägt, während das mittelschwere Segment (Klassen 6-7) sogar um rund 5 % zulegte.

Der Markt in der Region EU30 (Europäische Union, Schweiz und Norwegen) ist mit einem Plus von rund 11 % nochmals deutlich gewachsen, verlor aber im Jahresverlauf spürbar an Dynamik. Die großen Einzelmärkte verzeichneten dabei teilweise deutliche Zuwächse. Der britische Markt schwächte sich nach dem Brexit-Referendum im Jahresverlauf zwar etwas ab, lag im Gesamtjahr aber noch leicht über dem Vorjahresniveau. Erhebliche politische Unsicherheit sowie Vorzieheffekte aufgrund der Einführung der neuen Abgasnorm Euro VI zum

1. Januar 2016 führten dazu, dass die Nachfrage in der Türkei im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 45 % einbrach. Der brasilianische Markt musste einen weiteren deutlichen Rückgang hinnehmen. Von einem bereits sehr schwachen Niveau ausgehend, gingen die Verkaufszahlen nochmals um rund 30 % zurück. Die Lkw-Nachfrage in Russland hingegen stabilisierte sich im Jahresverlauf und bewegte sich insgesamt leicht über dem niedrigen Vorjahresniveau. Eine kräftige Markterholung war in China zu beobachten: Dort erhöhte sich die Zahl der Lkw-Verkäufe um annähernd 40 %.

Ein eher gemischtes Bild gaben die aus Sicht von Daimler wichtigsten asiatischen Märkte ab. Der japanische Markt für leichte, mittlere und schwere Lkw konnte trotz eher geringer konjunktureller Dynamik leicht zulegen und bewegte sich damit weiterhin auf solidem Niveau. Dagegen war die Nachfrage in Indonesien weiterhin schwach und verfehlte das bereits niedrige Vorjahresniveau um mehr als 10 %. Leicht über dem Vorjahresniveau behauptete sich der indische Markt für mittelschwere und schwere Lkw. Lag die Nachfrage im ersten Halbjahr noch fast 25 % über dem Vorjahr, so schwächte sich der Markt im zweiten Halbjahr deutlich ab. Hauptgrund für die Kaufzurückhaltung war vor allem die Unsicherheit hinsichtlich der geplanten Mehrwertsteuerreform, die die steuerlichen Rahmenbedingungen für Lkw-Käufe in Indien im Jahr 2017 deutlich verbessern könnte.

Die Transporternachfrage in Westeuropa legte im Jahr 2016 weiter zu. Dabei erhöhte sich das Marktvolumen für mittelgroße und große Transporter um 14 %. Bei den kleinen Transportern stieg die Nachfrage um 11 %. Nicht zuletzt auch in Deutschland ist der Transportermarkt insgesamt um 12 % gewachsen. Auch in den USA hat sich der Markt für große Transporter mit einem Plus von 14 % weiterhin sehr positiv entwickelt. Dagegen war in China in dem von uns adressierten Marktsegment ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Aufgrund der ungünstigen Rahmenbedingungen war der Markt für große Transporter in Lateinamerika abermals stark rückläufig.

Bei den Bussen ist das Marktvolumen in der Region EU30 im Vergleich zum Vorjahr um rund 5 % gewachsen. Aufgrund der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lag die Nachfrage in Brasilien mit einem Minus von rund 34 % deutlich unter dem Vorjahresniveau. Bedingt durch die aktuell schwierige Situation blieb auch der Inlandsmarkt in der Türkei deutlich hinter dem Vorjahr zurück.

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